Forum für Psychiatrie am 22. April
2009
Am
Mittwoch, dem 22. April 2009 fand das erste Forum für Psychiatrie im Jahr 2009
statt.
Austragungsort
war wie gewohnt die Begegnungsstätte der Volkssolidarität „Amadeus“ auf der
Striesener Straße 2.
Das
Thema lautete:
Wer kämpft mit
uns?
Gedanken zu
einer starken Interessenvertretung
Um
19:00 Uhr eröffnete Herr Herklotz, Geschäftsführer des Psychosozialen
Trägerverein Sachsen e. V. die Veranstaltung. Er bedankte sich bei allen Gästen
für die Teilnahme und freute sich auf einen interessanten Abend mit anregenden
Diskussionen.
Frau
Hänel vom Paritätischen Sachsen übernahm die Moderation der gesamten Veranstaltung.
Sie stellte sich und ihre Arbeit bei der Parität vor und begrüßte dann die
Podiumsmitglieder.

Im
Podium saßen Herr Freiershausen von der Selbsthilfegruppe „Aktiv mit Depression“,
Frau Kundisch vom „Netzwerk für seelische Gesundheit“ und Frau Liebig,
Geschäftsführerin der Gesop gGmbH.
Frau
Hänel präsentierte eine Übersicht zur Thematik und gab Fragestellungen vor,
welche im Verlaufe des Abends geklärt werden könnten.
Im
Anschluss gab es Beispiele von Situationen, welche Klienten bereits erlebt
haben. Diese wurden von unterschiedlichen Zuschauern verlesen und absichtlich
kommentarlos im Raum stehen gelassen. Mit dieser Aktion sollte gezeigt werden, wie
teilweise würdelos, respektlos und erniedrigend Menschen mit einer psychischen
Erkrankung im täglichen Alltag behandelt werden.
Frau
Hänel informierte nun per PowerPoint-Präsentation zu bereits bestehenden Interessenvertretungen,
Antistigmakampagnen, Selbsthilfegruppen und Netzwerken. Sie stellte das Projekt
„Weglaufhaus“ in Berlin vor und gab Auskunft zur momentanen Situation.
Desweiteren stellte sie eine Sammlung verschiedener Internetadressen vor, welche
Hilfe in vielen Lebenslagen bieten. Gerade das Medium Internet spielt eine
wichtige Rolle und wird von vielen psychisch erkrankten Menschen genutzt. Die
Präsentation mit all ihren Inhalten können Sie sich [hier] anschauen.
Nun
wurde das Wort an Herrn Freiershausen von der Selbsthilfegruppe „Aktiv mit
Depression“ übergeben. Herr Freiershausen ist selbst Betroffener und stellte
die Arbeit der Selbsthilfegruppe dar. Auch die Verbesserungswünsche,
Sichtweisen und Stolpersteine die während der Arbeit in einer Selbsthilfegruppe
auftreten, wurden aufgezeigt. Er fasste seine Ansichten und Ausführungen zu
diesem Thema ebenfalls in einer PowerPoint-Präsentation zusammen.
Diese
können Sie sich [hier] anschauen.

Anschließend
wurde Frau Kundisch vom Netzwerk für seelische Gesundheit gebeten, einen
Beitrag zu diesem Thema abzugeben.

Frau
Kundisch bezog alle Teilnehmer des Abends aktiv ein und begann mit einem Spiel,
bei welchem die Rollenverteilung zwischen „Normalen“, „leicht Erkrankten“ und
„schwer Erkrankten“ sichtbar wurde. Alle Anwesenden waren einer der Gruppen
zugeteilt und spürten so die Abschiebung und Verdrängung. Frau Kundisch
berichtet über Erfahrungen und wünschte sich: „Weg vom Denken in Schubladen!
Alle gehören in eine große Schublade, welche „Mensch“ heißt.“
Diese
Aktion wurde als äußert eindrucksvoll bewertet.

Nun
stellte Frau Liebig den Verein „Irrsinnig menschlich e. V.“ vor. Hauptaufgabe
des Vereins ist die Öffentlichkeitsarbeit in der Psychiatrie. Frau Liebig
stellte verschiedene bereits initiierte Projekte vor. Unter anderem das
Schulprojekt „Verrückt na und?“, den MUT-Preis und das zurzeit laufende
Filmprojekt „Ausnahmezustand“.
Genauere
Informationen und die entsprechenden Homepage-Adressen finden Sie in [dieser]
PowerPoint-Präsentation.

Frau
Hänel fasste das Erlebte und Erzählte kurz zusammen und bat nun die Zuschauer
um Fragen, Hinweise und Diskussionen. Folgende Anmerkungen gab es:
-
Leider gibt es keine ambulante Krisenversorgung in
Dresden. Viele Betroffene haben dann Probleme und wissen nicht, an wen sie sich
in Krisensituationen wenden sollen. Oftmals wird nur direkt an die Klinik
verwiesen. Ein vertrauensvoller Ansprechpartner außerhalb der Klinik wäre
notwendig.
-
Es besteht der verstärkte Wunsch Krisen- oder
Rückzugsräume in Dresden zu implementieren. Die Klinik als einzige Alternative
zur eigenen Wohnung erscheint in einer sich anbahnenden oder bereits
ausgebrochenen Krise als großes Problem. Ängste durch bereits negative
Erfahrungen in der stationären Einrichtung vergrößern die Problematik.
Gewünscht wird ein Haus/Wohnung außerhalb des Privatbereiches in dem man die
Krise überwinden kann.
-
Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit. Viele Angebote
von Selbsthilfegruppen, Einrichtungen und Trägern sind unbekannt. Hauptkritikpunkt
ist die Klinik – da viele Patienten zum Einen zu früh entlassen werden und zum
Anderen oftmals keinerlei Informationen von der Klinik erhalten. Gewünscht
werden Informationen sowohl zu Therapeuten und Ärzten die nun aufgesucht werden
können, als auch zu Kontaktstellen und anderen Einrichtungen.
-
Eine anwesende Sozialarbeiterin einer Klinik merkt an,
dass die Patienten oftmals nicht in der Lage sind, die Informationen
aufzunehmen. Es wird durchaus versucht, Kontakte zu vermitteln.
-
Wunsch ist eine Art Wegweiser/Infopaket für alle
Patienten und ihre Angehörigen, die aus der Klinik entlassen werden. Dieser
soll durch den Angebotsdschungel in Dresden führen und aufzeigen, welche
Angebote, Dienste und Hilfen es gibt.


Eine
Zusammenfassung der in der Diskussion gestellten Fragen mit Antworten können
Sie [hier] ansehen.
Um
21:15 Uhr wurde das Forum beendet. Frau Hänel dankte für die regen Wortbeiträge
und freute sich, dass man in der Diskussion sehen konnte, welche vielfältigen
Gruppen zum heutigen Abend gekommen sind. Es waren Vertreter von Betroffenen,
Angehörigen, Professionellen und einfach nur interessierte Menschen da. Es gab
viele Eindrücke und Informationen, die jeder für sich erst einmal verarbeiten
muss.
Herr
Herklotz bedankte sich recht herzlich bei allen Gästen und beim Podium für den
Abend und wünschte einen guten Heimweg.